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Achat mit gut ausgebildeten Liesegang'schen Ringen Autor: Klaus Schäfer
Fundort: Dennweiler - Frohnbach

Auch Fundzonen, die nur eine geringe Häufigkeit an Funden erwarten lassen, bieten ab und an interessante Belege. Dieser kleine Achate mit wunderschöner Liesegang-Zeichnung wurde von mir im Jahr 1999 in Dennweiler - Frohnbach gefunden.




Achat mit deutlich ausgebildeten Liesegang'schen Ringen

In seinem Buch "Die Achate", Dresden und Leipzig 1915 entwickelt R. Liesegang eine Theorie der Achat-Enstehung analog von Experimenten mit Gallerten. Diese Theorie brachte einige entscheidende Denkanstöße für die genetische Betrachtung des Achates. Sein Ansatz, bei der Achatbildung einen "inneren Rhythmus" zugrunde zu legen (wohingegen von der damals herrschenden Lehrmeinung ein "äußerer Rhythmus" - z.B. durch episodischen Eintrag von Achatsubstanz von außen.- favorisiert wurde) kehrt in den heutigen Betrachtungen zur Enstehung des Achates wieder.


Bildung von Liesegang'schen Ringen in einem Ventil. ("Einflußkanal")



Liesegangringe als räumliches Modell



Originaltext von Raphael Ed. Liesegang
"Die Achate" Dresden und Leipzig, 1915


So revolutionär diese Theorie zu ihrer Zeit auch gewesen ist - mittlerweile wird sie in vielen Punkten entscheidend widerlegt (s.H. Landmesser: "Das Problem der Achatgenese" Seite 38 ff.). Die Liesegangsche Theorie der Achatbildung (analog zu seinen Versuchen) kann die Entstehung des Achates nicht erklären. Allerdings erklärt diese Theorie bestimmte Phänomene der Pigmentverteilung in Achaten, die deshalb als LIESEGANG'sche Ringe bezeichnet werden:

Mit dem Begriff LIESEGANG'sche Ringe bezeichnet man Bereiche im Achat, in denen eine sekundäre rhythmisch gegliederte Pigmentierung * (im Idealfall senkrecht) zur gemeinen Achatbänderung ausgebildet ist.

Prof. Liesegangs Untersuchungen gründen auf zweidimensionalen Modellen, bei denen eine Silbernitratlösung auf ein Kolloid aufgebracht wurde. Die so entstandenen Ringe sind durch einen deutlich erkennbaren Rhythmus von Fällungszone und nicht kontaminiertem Bereich gekennzeichnet. Neben deutlich konzentrischen Bildungen gibt es auch (sowohl im Experiment als auch als Einschluß in Achaten) charakteristisch geformte Verzweigungen.

Im Unterschied zum Versuch finden sich die Liesegangschen Ringe im Achat in einem räumlichen und nicht flächigem Umfeld und bilden daher im eigentlichen Sinn keine Ringe, sondern Sphären. In einer Anschlifffläche erscheinen diese dann wohl als Ringe, entblößen ihre wahre räumliche Natur allerdings bei einem weiteren, zur ursprünglichen Ebene schief angesetzten Schnitt.

Interessant ist, dass sich Liesegang'sche Ringe oft innerhalb von Ventilen (fälschlicherweise als "Zuflukanle", "Einstromkanle" etc. bezeichnet ) bilden. In diesem Bereich ist die primär gebildete (meist transparente) und sehr stabile erste Chalcedonschicht dünner ausgebildet und erlaubt so eher das Eindringen von Lösungen, die die Pigmente, die sich dann im Inneren rhythmisch anordnen, transportieren.





* Die oben angesprochenen Pigmente bestehen meist aus kolloidal gebildeten kleinen roten oder gelben Eisenoxidkügelchen; seltener sind dies schwarze Manganverbindungen.