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Achatmandel mit Supersphärolithen und Membrantrümmerstruktur Autor: Klaus Schäfer
Fundort: Auf Hassel (Edelsteindorado)

Bevor ich die im Jahr 2001 eröffnete Fundstelle Edelsteindorado auf der Gemarkung "Auf Hassel" selbst zum ersten Mal besuchen konnte, wurde mir von Christof Keller ein besonders schönes Stück von dort geschenkt. Diese gerade einmal 33 Millimeter große Achatmandel ist in ihrer Art eine der schönsten meiner Sammlung.




Achat mit Supersphärolithen und Membrantrümmerstruktur

Achate sind Formvarianten der kristallisierten Kieselsäure - des Minerals Quarz. Kristallisierte Kieselsäure kann makroskopisch sichtbare Kristalle ( wie z.B. Bergkristall, Amethyst usw.), aber auch in mikroskopisch klein ausgebildete Strukturen ausbilden. Zu diesen gehört der gebänderte Achat. Die Bänderung ist aus kleinsten Aggregaten radialstrahlig aggregierter Quarznädelchen zusammengesetzt. Diese im Idealfall komplett kugelig ausgebildeten Einheiten nennt man Sphärolith. Nur sehr selten kann man dieses Struktur-Phänomen erkennen - denn im Normalfall kristallisieren viele Sphärolithe gleichzeitig auf einer Wachstumsebene (z.B. auf der Wand des Hohlraumes) und behindern sich so in ihrem seitlichen Wachstum, während die Wachstumsebene ein natürliches Hindernis nach unten (aussen) bildet. So wachsen die Sphärolithe in der Hauptsache nach oben (innen) und formen so ein Achatband. Mit dem Abschluss des Wachstums dieses Bandes bildet es die Wachstumsebene für die nächste folgende Schicht. In der Regel haben alle Nädelchen eines Bandes ungefähr die gleiche Länge - es bilden sich also in Folge parallel strukturierte Schichtpakete, die den Formen des Hohlraumes folgen.


Sphärolith

Zu erkennen ist der einzelne Sphärolith, wenn es nicht zur Bildung vieler Sphärolithe auf einer Wachstumsebene kommt. Gründe hierfür sind zum Beispiel der Mangel an geeigneten Kristallkeimen oder eine besondere "Ausmagerung" (Mangel an freier Kieselsäure die zur Kristallisation zur Verfügung steht) des Kieselsäure-Gels, aus dem sich die Sphärolithe abscheiden. Die hier gezeigte Achatmandel illustriert vorbildlich diesen Aspekt. Sie zeigt kaum regulär gebänderten Acht, vielmehr sind einzelne, sehr groß ausgebildete Sphärolithe bilddominierend. Man kann daher von einer Ausbildung von "Supersphärolithen" sprechen. Nebenstehend abgebildeter Sphärolith zeigt eine weitere Besonderheit: Sein Keim sitzt fast auf der Außenseite der Mandel - nur eine ausgedünnte Schicht des frühgebildeten, farblosen Achatbandes trennt ihn noch von der Außenseite. Auf dem Foto kann man zudem im crémefarbenen Bandbereich die feinnadelige Ausbildung der Quarzkristallite erkennen.


Membrantrümmerstruktur

Eine weitere Eigenart, die für viele Achate unserer Region typisch ist, charakterisiert diese Mandel: im unteren Bereich zeigt sie die Ausbildung von Membrantrümmerachat. Als Notwendigkeit für die Bildung dieser Strukturvariante nimmt man die Entstehung einer Lage von Schicht-Silikaten parallel der Außenseite der Mandel vor der Verfestigung des Mandelinhaltes an. Darauffolgend muss es zum Sieden (explosionsartigen Ausdampfen) des Mandel-Inhaltes durch Druckentlastung (z.B. durch Risse in der Außenhaut) gekommen sein, der diese Schicht zerstörte. Deren Fragmente - die danach oft noch durch Trocknung verformt wurden (Aufrollung) - finden sich nun im Inneren der Achatbildung. Je nach Grad der Festigkeit des Kieselsäure-Gels zum Zeitpunkt der Einbettung finden sie sich frei schwebend und gleichmäßig verteilt im Inneren des Achates - oder aber durch die Gravitation eingeregelt am Boden der Mandel als Absatz