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20.12.08 Neues Spiel - Neues Glück?
 

 

Neues Spiel – Neues Glück ?

von Hartmut Fuß

 


Auf der Suche nach einem neuen Grabungsfeld erinnerten sich die Mitglieder des Mineralienvereins Freisen an die Funde in der Region der Verbandsgemeinde Baumholder aus früheren Jahren.

 

Die Erfahrungen der letzten Aktionen ließen uns davon ausgehen, dass solch eine Fülle an außerordentlich attraktiven Achaten wie in den früheren Jahren heute nicht wieder zu finden sein dürfte. Trotzdem machten sich einige Mitglieder an die Planung einer neuen Grabungsaktion. Bei der Suche nach einer viel versprechenden Stelle hatten sie das Gelände vor Augen und stützten sich auf die jahrzehntelangen Beobachtungen und Erfahrungen der älteren Vereinsmitglieder. Dies alles floss mit in die Planungen ein und man legte sich nach kurzer Beratung recht schnell auf einen Grabungsort fest. Der Entscheid fiel auf eine Region, wo vor Jahren von Vereinskollegen im Spätsommer und Herbst auf den umgepflügten Äckern immer wieder tolle Achatfunde gemacht werden konnten. Und da das was oben zu finden ist ja von unten kommt,…..eigentlich sollten wir fündig werden....

Wie viele der früher intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen, liegen diese Felder seit Jahren brach und wurden als Weideland, bzw. als Wiese zur Grünfuttergewinnung genutzt. Nach Einholung der Grabungserlaubnis bei dem Eigentümer des von uns ausgesuchten Fleckens,  konnten wir also beginnen.

In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich Sträucher, Hecken und Bäume ihren angestammten Lebensraum wieder zurück erobert, so dass es vor Grabungsbeginn erst einmal galt sich einen Weg durch das dicht gewachsene Unterholz und Gestrüpp zu bahnen. Anfang August, bei Temperaturen jenseits der 30°C, kein wirkliches Vergnügen.

Was für uns eine schweißtreibende Angelegenheit darstellte, war jedoch für den eingesetzten Bagger ein leichtes Werk. Innerhalb kurzer Zeit hatte er den Grabungsort erreicht und in knapp 2 Stunden war eine Fläche von 25 Quadratmetern ca. 2,5 Meter tief ausgehoben.
Schaufel für Schaufel durchsuchten wir sofort den anfallenden Aushub. Dabei machte sich sehr schnell eine leichte Enttäuschung unter uns breit - im Nachhinein beurteilt, dann doch eher übereilt und unbegründet.
Der staubtrockene, sandige Aushub war nur schwach mit Gesteinsbrocken durchsetzt – die schützende Hülle, die Mutter der so heiß begehrten „Eier“, fehlte also weitgehend. Trotzdem ermunterten uns vereinzelte Funde weiterzumachen. Und tatsächlich, in einer Tiefe von ca. 2 Metern stieß die
Baggerschaufel auf das gesuchte, grünlich-graue Gestein. Krachend, schabend und staubend, brachen die Schaufelzähne Stück für Stück aus dem anstehenden, festen Gestein. Sehr schnell stießen wir auf die ersten, im Muttergestein fest verwachsenen Geoden – wir hatten also die richtige Tiefe erreicht, die Drusen führende Schicht lag vor uns. Augenblicklich hellten sich unsere Mienen auf und der anfänglich vorhandene Optimismus machte sich jetzt wieder breit. Nur, was hatte die Gesteinsschicht für uns verborgen und was würde sie freigeben? Frühere Baggeraktionen lehrten uns, dass, je weiter wir uns von einem Hotspot entfernten, die Funddichte immer geringer wurde. Und wir waren jetzt eigentlich sehr weit von einem solchen Geodennest entfernt. Dazu gruben wir noch auf einem Bergrücken. Konnten wir mit sog. Abrollern rechen? Eher weniger, denn im losen Aushub wurden wir kaum fündig. – noch! Also galt es, sich weiter in das anstehende Gestein zu arbeiten und dem Berg Stück für Stück an Gestein zu entreißen. – immer in der Hoffnung, die ein oder andere heiß begehrte Mandel zu finden. Nur, jetzt galt es Hammer, Meißel und Brechstange, also Muskelkraft einzusetzen, denn den Hebelarmen des Baggers waren in dieser Tiefe Grenzen gesetzt.

Trotz teilweise unerträglicher Hitze, verbrachten Vereinsmitglieder in den folgenden Tagen etliche Stunden an und in der Grabungsstelle. Im wahrsten Sinne des Wortes angestachelt von den unzähligen Stichen blutsaugender Plagegeister und vorangetrieben von nunmehr regelmäßigen größeren und kleineren „Grabungserfolgen“ trieben sie die Kule immer weiter in die Tiefe. Bis nach einigen Tagen ein Punkt erreicht war, wo jede weitere Mühe umsonst gewesen wäre. Die Gesteinsschichten waren dermaßen zwickelartig ineinander verwachsen, dass keine Chance mehr bestand, größere Gesteinsbrocken aus dem gewachsenen Verbund zu lösen. Nach fast einer Woche wurden die Arbeiten vernünftigerweise eingestellt und es ging wieder ans Verfüllen des entstandenen Kraters.
Erstaunt und völlig überrascht waren wir, dass im ausgehobenen und bei Beginn der Baggeraktion schon durchsuchten Material doch noch zahlreiche Geoden versteckt waren. Fundstücke bis zu Fußballgröße waren im ausgehobenen Erdreich verborgen. Wie konnte es sein, dass wir diese Stücke schon bei Grabungsbeginn nicht entdeckten? Nun, an Waldgeister und Gnome glaubt niemand mehr, also lag es sicherlich am anfänglich noch ungeschärften Blick, dass uns diese Stücke beinahe durch die Lappen gingen.

Resümierend kann man sagen, dass sich die Aktion trotz der wideren klimatischen Umstände und der ständigen und lästigen Gesellschaft „eifrig Injektionen setzender Flugobjekte“, vollauf gelohnt hatte.
Zwar war die Funddichte nicht entsprechend der früherer Aktionen in diesem Fundgebiet, aber trotzdem fanden wieder wunderschön gefärbte Achate den Weg in die Sammlervitrinen. Einige dieser Fundstücke sind auch in unserem Mineralienmuseum zu besichtigen.